Verkehr, Logistik und Transport

Alleine im Jahr 2010 haben die Europäer insgesamt eine Strecke von rund 5,6 Billionen Personenkilometern zurückgelegt (Europäische Kommission, 2011). Zudem entfielen im gleichen Jahr rund 31,7 Prozent des Endenergieverbrauchs der EU-27 auf den Transportsektor (Eurostat, 2012). Damit ist dieser Sektor global gesehen einer der größten Schadstoffverursacher. Viele Städte sind auf dem Weg zu einer nachhaltigen, effizienten und lebenswerten Stadt und wollen den Transportsektor im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung transformieren und damit der Luftverschmutzung, dem Klimawandel sowie der Endlichkeit und Teuerung von Ressourcen durch ein „postfossiles Mobilitätskonzept" (Würdemann, Held, 2006) entgegentreten.

Die Herausforderung für Städte ist nicht nur, für alle Bewohner eine lebenswerte Umgebung zu sichern, sondern auch, dem steigenden veränderten Mobilitätsbedürfnis in vielen Städten nachzukommen. Städte untereinander, (virtuelle) Unternehmen und alle urbanen Akteure wollen und müssen miteinander vernetzt werden. Eine große Herausforderung besteht allein im zunehmenden Verkehrsaufkommen und der Situation, dass Verkehr (in Form von Transport von Menschen und Gütern) ein wesentlicher Treiber von Wirtschaft und Wohlstand ist. Doch leider ist der Mobilitätssektor bisher weder von fossilen, umweltschädigenden Energieträgern entkoppelt, noch von der Kapazität der Straßen. Um eine sozioökonomische Entwicklung zu garantieren, sind Städte somit gefordert, Beweglichkeit und individuelle Mobilität nachhaltig, emissionsarm und bezahlbar zu sichern. Dazu sind individuelle Verhaltensänderungen, ein besseres Verkehrsmanagement und technologische Innovation erforderlich. Aufgabe der Städte wird sein, die Umsetzung intelligenter, technologiegestützter Mobilität zu fördern – und dabei trotz nötiger Investitionen in komplexer werdende Technologien den schwierigen Spagat zwischen Zielerreichung (u.a. Reduktion von CO2-Emissionen und Luftschadstoffen, Steigerung von Transportkapazitäten und deren Auslastung, Verknüpfung des öffentlichen Verkehrssystems mit dem privaten Pkw-, Rad- und Fußverkehr) und Kostenmanagement zu schaffen.

Bisher ist die Sicherung von Mobilität weitgehend Aufgabe der öffentlichen Hand. Eine Beteiligung von Bürgern ist selten – anders als zum Beispiel in der Energieerzeugung, in der die Dezentralisierung der Produktion auch kleinen, privat organisierten Investorengruppen und Genossenschaften eine Teilhabe an der Energieversorgung ermöglicht. Es stellt sich die Frage, wie Partizipationsmodelle im Bereich Mobilität aussehen können, wer sie initiieren sollte und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssten. Dabei rücken sowohl Verhaltensänderungen als auch Finanzierungskonzepte in den Vordergrund.

IKT beflügelt urbane Mobilität

Städte arbeiten nicht erst seit heute daran, Mobilität in urbanen Gebieten sozial- und umweltverträglich zu entwickeln. Informations- und Kommunikationstechnologie spielt dabei seit geraumer Zeit eine wichtige Rolle und ist über die vielfach bewährten Stau-Sensoren schon weit hinausgewachsen. Vielfältige Daten und Informationen helfen heute, Warte- und Standzeiten zu reduzieren, Verfügbarkeiten von Verkehrsmitteln zu optimieren, Preise und Kapazitäten nachfrageorientiert zu steuern – und so sowohl Emissionen und Lärm zu senken, als auch Kapazität und Komfort von Infrastruktur und Angebot zu verbessern. Die Bedeutung der IKT für das Verkehrswesen wird noch deutlich steigen.

Eine wichtige Voraussetzung für die Entfaltung dieser Applikationen ist der einfache Zugriff auf die entsprechenden Daten und Systeme der jeweiligen Verkehrsträger. Die Städte spielen hier eine entscheidende Rolle, denn durch die transparente Bereitstellung der entsprechenden Informationen können sie die innovativen Kapazitäten der Bevölkerung und der privaten Unternehmen freisetzen.

Beteiligung heißt Verhaltensänderung

IKT ist jedoch nur ein Instrument für effizientere, emissionsärmere Verkehrsentwicklung. Ebenso wichtig ist die Beteiligung und Verhaltensänderung der Nutzer, die die Städte aktiv fördern können. Hier gehen die Möglichkeiten über das Werben für Bus und Bahn weit hinaus. Gemeinschaftliche Nutzung, Elektromobilität, Umstieg auf nicht-motorisierte Verkehrsmittel und die Vermeidung von unnötigen Fahrten sind dabei unter anderem die Hebel, um den Bereich Mobilität auf einer ökologisch tragfähigen Basis zu verankern und gleichzeitig zum „Lifestyle-Produkt" werden zu lassen.

Bereits seit einigen Jahren wird zum Beispiel der „Sharing"-Gedanke neu aufgegriffen. „Nutzen statt Besitzen" heißt der Trend. Die neuen E-Car-, Bike- und E-Bike-Sharing Angebote von Stadt, Verkehrsbetrieben und privaten Anbietern sollen helfen, den Stadtverkehr zu entlasten und zu optimieren. Dazu gehört die Idee, einen Teil des regionalen Pendlerverkehrs auf die Schiene zu verlagern, indem kostengünstige und umweltfreundliche ergänzende Transportmittel für die innerörtlich anschließenden Punkt-zu-Punkt-Verbindungen bereitgestellt werden. Auch hier leistet IKT einen Beitrag zur Vereinfachung der Nutzungsmöglichkeiten, z.B. Buchungen per Mobiltelefon.

Ein anderer Erfolgsfaktor ist die Verbindung der Sharing-Konzepte mit Elektromobilität. Entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität ist im urbanen Bereich weniger die Reichweite, in jedem Fall aber die durchgehende Kombination mit regenerativen Energien und die gute Ausstattung mit Ladestationen und einem einfachen Lade- und Abrechnungssystem.

Viele Städte fördern jedoch auch eine andere Art der Verhaltensänderung: Sie setzen auf vermehrte Nutzung nicht-motorisierter Transportmittel – und stellen den Ausbau der Fahrrad- und Fußweg-Infrastruktur in den Vordergrund, um die Umwelt- und Verkehrsbelastung zu senken. Dazu gehören nicht nur ein gut ausgebautes Streckennetz, sondern auch ausreichende und sichere Abstellmöglichkeiten sowie geeignete Schnittstellen an den Übergängen zum öffentlichen Personennahverkehr.

Intelligente Mobilität benötigt innovative Finanzierungsmodelle

Um die Entwicklung umweltverträglicher Technologien in Europa voranzutreiben, werden bis 2020 Investitionen in der Höhe von rund 2,9 Milliarden Euro nötig sein (Accenture, 2011). Insbesondere in Krisenzeiten mit hohen Schulden werden daher seitens der Kommunen intelligente Finanzierungskonzepte benötigt. Die öffentliche Hand alleine kann den Bedarf an Kapital für die Förderung einer intelligenten Mobilität nicht decken. Es ist deshalb notwendig, dass weitere Akteure bei der Finanzierung nachhaltiger Mobilitätsprojekte Unterstützung leisten.

Praxisnahe Handlungsempfehlungen und erprobte Best- bzw. Good Practice-Beispiele für den Bereich Mobilität einer intelligenten Stadt sind im Haupttitel des Reports aufgeführt.