Organisation, Quartiers- und Flächenentwicklung

Eine intelligente Planung und Verwaltung einer Stadt umfasst im Kontext des Reports neue Formen der Bürgerbeteiligung, den Einsatz innovativer Technologien (z.B. E-Government-Lösungen für Bürgerhaushalte und andere Formen der webgestützten Partizipation und Verwaltung) sowie nachhaltiger Finanzierungslösungen, wenn es darum geht, die gewachsenen urbanen Strukturen zu transformieren. Stadterneuerung, Stadtsanierung oder Stadt-umbau sind für Städte in Industriestaaten die Herausforderungen. Ausgelöst werden sie durch einen Strukturwandel (wie im deutschen Ruhrgebiet oder in britischen Industriestädten) oder durch die gezielte ökologische bzw. nachhaltigkeitsorientierte Erneuerung von Stadtbereichen.

Lösungsansätze einer intelligenten Stadtplanung und -verwaltung

Die Lösungen für eine intelligente Stadtplanung und -verwaltung werden neben einem fundierten Bürgerbeteiligungskonzept vor allem die Energie-, Mobilitäts- und Ressourcenwende sein. Moderne IKT, die zunehmend alle Bereiche durchdringt, wird es dabei in vielen Fällen überhaupt erst möglich machen, intelligente Strategien und Maßnahmen umzusetzen.

Die Energiewende bedeutet, bestehende Gebäude und Gebäudetechnik mit Blick auf Energieeffizienz zu sanieren. Allein in Deutschland sind rund 75 Prozent der Gebäude energietechnisch noch unsaniert, ca. 15 von 19 Millionen Heizungsanlagen sind veraltet. In den EU-15 sind mehr als die Hälfte aller Gebäude vor 1975 erbaut worden (Ecofys, 2006) und bedürfen dringend Sanierungsmaßnahmen – denn Gebäude stehen für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs (BMWi, 2012). Solche Fakten setzen Stadtverwaltungen erheblich unter Druck, Stadterneuerung und ?umbau im Sinne einer großen Transformation zu planen und voranzutreiben. Dabei können sie von Veränderungen in der Gebäudetechnik und einer vollkommen neuen Energieinfrastruktur profitieren, die sich aus dem Zusammenwachsen von Energie- und Datennetzen ergibt.

Die Mobilitätswende ist in Städten durch den Ausbau eines klimaneutralen ÖPNV sowie die Förderung individueller Elektromobilität und des nicht-motorisierten Verkehrs (Fahrrad, Fußverkehr) geprägt. Das erfordert z.B. den Aufbau einer neuen Verkehrs-, Lade- und Tankinfrastruktur – was nicht nur ein Lösungsansatz städteplanerischer Maßnahmen und Investitionen, sondern auch Grund für ein Umdenken im gewerblichen Bereich und in Privathaushalten ist.

Die Ressourcenwende ist mit einem Umbau von Produktions- und Konsumstrukturen einschließlich Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen verbunden. Dieser Umbau wird von der nötigen Senkung des Verbrauchs und Steigerung der Effizienz sowie von der Verbreitung neuer Entsorgungs-, Recycling- und Kreislaufkonzepte getrieben – und wird ein Eckpfeiler nachhaltiger Stadtplanung und Stadtentwicklung sein.

Nicht zuletzt werden intelligente Lösungen in Stadtplanung und -verwaltung durch moderne IKT geprägt, die sowohl im Energie- und Mobilitäts- sowie im Flächenbereich neue planerische Konzepte ermöglichen bzw. erfordern, als auch eine ganz neue Art von bürgerfreundlicher Stadtverwaltung (z.B. E-Government) ermöglichen. Zudem ist IKT in Kombination mit intelligenten Infrastruktursystemen auch ein wichtiges Instrument im Bereich der Sicherheit. Dies beinhaltet beispielsweise eine klare Trennung des privaten und öffentlichen Lebens, die Beachtung sozialer und kultureller Grenzen, kriminalpräventive Maßnahmen sowie die Implementierung von Planungs- und Verwaltungsstandards.

Zwei zentrale Herausforderungen:

Der Boden ist eine der knappsten natürlichen Ressourcen in Städten und urbanen Regionen. Daher sind Überlegungen zu einer möglichst effizienten Nutzung dieser Ressource bei einer intelligenten Siedlungs- und Stadtentwicklung von großer Bedeutung.

Die konsequente Umsetzung der Reduzierung des Flächenverbrauchs erfordert Öffentlichkeit. Städte können dies durch die Aufstellung eines öffentlichen Flächenverbrauchszählwerkes erreichen. Dabei wird gezählt und präsentiert, wie viel Hektar der „Grünfläche" (d.h. des Stadtgebiets) täglich oder monatlich für Siedlung und Verkehr in Anspruch genommen werden. Die wiedergenutzten Brachflächen in einer Stadt können dabei quantitativ dargestellt werden.

Städte können zudem ökonomische Anreize schaffen, Brachen und vorgenutzte Flächen wieder nutzbar zu machen oder umzuwidmen. Dabei können Sie Programme zum Thema „Nachhaltige Boden- und Flächennutzung für Siedlung und Infrastruktur" entwickeln und auflegen, die eine im Sinne der übergreifenden Vision besonders effiziente oder effektive Nutzung der Fläche fördern.

Intelligenter Städtebau betrifft ganz wesentlich die Struktur des Gebäudebestands. Stand der Technik im Neubau sind heute Passiv- und Null-Energie-Häuser oder sogar Plus-Energie-Häuser. Das gilt auch im Geschosswohnungsbau und bei öffentlichen Gebäuden, denen eine besondere Vorbildfunktion zukommt. Architektur und Städtebau können allein durch Ausrichtung, Kubatur, Dachform und Neigungsrichtung von Gebäuden wichtige Grundlagen für deren Energieeffizienz legen. Die energetische Sanierung des Gebäudebestands hat den größten Einspareffekt, denn der Energieverbrauch von Gebäuden steht laut Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen. Dabei zeichnet sich ein intelligentes städtisches Sanierungsprogramm dadurch aus, dass die „low-hanging fruits" zuerst realisiert werden. Hier dürfen und müssen Baukultur, Gestalt und Wohnqualität jedoch nicht der Effizienz geopfert werden. Es gilt außerdem immer auch die Akzeptanz durch die Bewohner und das Nutzerverhalten zu beachten – und auch hier sollten neue Finanzierungsmodelle eingesetzt werden, um die dringend notwendigen Maßnahmen umzusetzen.

Praxisnahe Handlungsempfehlungen und erprobte Best- bzw. Good Practice-Beispiele für den Bereich Planung und Verwaltung einer intelligenten Stadt sind im Haupttitel des Reports aufgeführt.