Produktion, Konsum und Lebensstile

Was intelligente Städte der Zukunft von den traditionellen Städten der Vergangenheit wesentlich unterscheiden wird, ist die Art des Wirtschaftens und Lebens. Eine „Grüne und faire Wirtschaft" ist definiert als Produktion und Konsum, die zu verbessertem menschlichen Wohlbefinden und sozialer Gerechtigkeit führen, während sie gleichzeitig ökologische Knappheiten deutlich verringern. Eine grüne und faire Wirtschaft ist also kohlenstoffarm, ressourceneffizient und kann nur funktionieren, wenn soziale Aspekte mit eingeschlossen werden (UNEP, 2011; Germanwatch, 2012). Es werden Treibhausgasemissionen und die Umweltverschmutzung reduziert, die Energie- und Ressourceneffizienz erhöht und der Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen verhindert. Ziel ist die Entkopplung von Wachstum und Ressourceninanspruchnahme. Dabei sind absolute – nicht nur relative – Reduzierungen von Verbräuchen notwendig.

Erkennungsmerkmale und gleichzeitig Ziele einer solchen Green Urban Economy, einer grünen Stadtwirtschaft, sind:

Eine intelligente Wirtschaft ist jedoch mehr als nur eine „grüne und faire" Wirtschaft. Wie bereits mehrfach ausgeführt, ist das Markenzeichen „intelligent" u.a. durch den Einsatz moderner IKT sowie durch Bürgerbeteiligung und innovative Finanzierungsmöglichkeiten gekennzeichnet. Die Stadtregierung bzw. -verwaltung fördert eine grüne Wirtschaft durch Information, unternehmensbezogene Ökoprogramme und Kooperationen mit der örtlichen Wirtschaft und Wissenschaft, z.B. in Form von Umweltallianzen. Analog fördert sie den intelligenten Konsum ihrer Bürger durch Information und Beratung sowie durch kommunale Förderprogramme, die intelligenten Konsum erleichtern bzw. erst möglich machen. Ein intelligenter Konsum- und Lebensstil äußert sich in einem niedrigen ökologischen Fußabdruck des einzelnen Bürgers bzw. des einzelnen Haushalts. Prägnant ist dabei vor allem ein global verträglicher CO2-Ausstoß pro Kopf. So kann auch die Stadt ein Klimaschutzkonzept umsetzen und ihren ökologischen Fußabdruck massiv verringern.

Nachhaltiger Lebensstil

Eine intelligente Wirtschaft in der Stadt wird also geprägt von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen, einer nachhaltig beschaffenden Stadtverwaltung und einem nachhaltigen Konsumverhalten und Lebensstil der Privathaushalte – darüber hinaus ganz wesentlich auch von Zusammenwirken und Vernetzung dieser drei Aspekte. Das wird sich allein schon in der Energie- und Mobilitätswende sowie bei Investitionen in die Erneuerung von Gebäuden und Infrastrukturen niederschlagen.

Doch was heißt eigentlich nachhaltig konsumieren und leben für den Einzelnen? Es bedeutet, dass ein Bürger bzw. ein Privathaushalt (oder ein Unternehmen bzw. die öffentliche Hand) durch sein Konsumverhalten und den Lebensstil nicht mehr Umweltbelastung auslöst, als bei gegebener Weltbevölkerungszahl, also z.Z. etwa 7,1 Milliarden Menschen, pro Kopf ökosystemverträglich ist. Für den CO2-Ausstoß bedeutet dies z.B., dass pro Kopf nicht mehr als 2,5 Tonnen im Jahr klimaverträglich sind. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland liegt mit rd. 10 Tonnen – gegenüber einem EU-weiten Durchschnitt von 7,5 Tonnen – noch deutlich darüber. Im internationalen Vergleich zeigt sich aber auch, dass Deutschland mit einem Anteil von 2,59 Prozent an den weltweiten energiebedingten CO2-Emissionen verhältnismäßig gut positioniert ist. China verursachte im Jahr 2011 rund 24 Prozent der CO2-Emissionen, dicht gefolgt von den USA mit ca. 18 Prozent (Germanwatch, 2011). Die USA führen mit einer Bilanz von immer noch rund 20 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf den Negativrekord an (IEA, 2011). Dabei ist es bereits heute möglich, klimaverträglich zu leben, d.h. den Pro-Kopf-CO2-Wert auf das klimaverträgliche Maß von 2,5 Tonnen p.a. zu drücken oder sogar 100-prozentige Klimaneutralität herzustellen. Dies würde für noch in der Entwicklung befindliche Länder wie Indien, die heute einen CO2-Emissionswert von nur etwa einer Tonne pro Kopf aufweisen, bedeuten, dass auch im Entwicklungsprozess die Emissionen mindestens konstant bleiben oder sogar sinken sollten.

Praxisnahe Handlungsempfehlungen und erprobte Best- bzw. Good Practice-Beispiele für den Bereich Wirtschaft einer intelligenten Stadt sind im Haupttitel des Reports aufgeführt.